Das Konzept

Misfits - Deutsche Animationsserie als komplexe Satire

© Christian Pfeiler 2005

"Auf zwei Sätze gebracht, geht es darum, vor allem Deutschland und Europa mit Humor gezielt den satirischen Spiegel vorzuhalten und dabei den interessierten Zuschauer zum Nachdenken und Hinterfragen seiner Welt anzuregen. Zeitgleich geht es aber auch darum, echte Geschichten zu erzählen und die fiktiven Charaktere, ihre Motivationen und ihre Welt zu respektieren."
 

Vorwort zur überarbeiteten Fassung (01.01.2005)

Nachdem das ursprüngliche Serienkonzept nun über 2 Jahre online stand, war es an der Zeit, eine in Teilen überarbeitete Fassung zu veröffentlichen. Hierbei sind auch einige Verbesserungen und Ergänzungen mit eingeflossen, die mir von interessierten Lesern im Laufe dieser Zeit geschickt wurden. Eine grundlegende Änderung zur vorherigen Version ist das Entfernen von (sicher etwas zu häufig auftauchenden) Verweisen auf US-Serien, die sich des Grundschemas Animation und komplexe Satire bedienen. Diese Verweise waren von mir nur als Hinweise auf international erfolgreiche Formate gedacht, wurden aber von Sendern und Firmen oft als Ansatz für sofortige Ablehnung der Idee als "einfallsloses Plagiat" benutzt.

Dies war mir stets unverständlich, da das Format in vielen Aspekten völlig eigenständig und auch auf diese Eigenständigkeit hin durchdacht ist. In einer Zeit, in der Plagiate und kopierte Formate die Medienlandschaft beherrschen (und dies, wie am Beispiel sehr vieler gescheiterter TV-Konzepte im Jahr 2004 zu sehen ist, nicht unbedingt erfolgreich) ist es auffallend schade, wenn eine mit viel Enthusiasmus geschriebene Idee "nach kurzem Überfliegen" von verantwortlichen Stellen derart behandelt wird.

Weitere Änderungen betreffen hauptsächlich Details und die Korrektur einzelner Sätze oder Ungereimtheiten, die sich im Laufe der zwei Jahre durch Ergänzungen ergeben hatten. Desweiteren gibt es einen neuen Abschlußkommentar, der nochmals auf die kreativen Möglichkeiten der Leser und auf Umsetzungen außerhalb der Animation eingeht. Im Bereich der Folgenideen sind nun alle 45 bisherigen Ideen zusammengestellt. Dies mag etwas viel erscheinen, zeigt aber auch die Bandbreite der Möglichkeiten. Zu vielen dieser kurz umrissenen Ideen habe ich natürlich komplette Handlungslinien, Dialoge und Szenen im Kopf (was sich jedoch für den Leser leider sicher nicht immer greifbar in den Text übertragen läßt.)

Dadurch ist das Konzept nicht kürzer geworden, obwohl es manche Leser für zu umfangreich oder zu technisch hielten. Wenn ich aber von einer führenden deutschen Animationsfirma den Rat bekomme, die Idee auf 2 - 3 Seiten in Hochglanzformat und Stil der Bildzeitung zu kürzen, dann sehe ich das Problem leider weniger bei mir, sondern eher beim System. Meiner Einstellung nach geht es mir mehr um den kreativen Geist und die Substanz der Idee und weniger um marketingorientiertes Hochglanzgefallen. Dadurch mag ich mir Chancen auf dem Markt verbauen. Vielleicht sehe ich aber in gewisser Weise eine kreative Vision hinter dem ganzen Konzept, welche sich gerade für "offizielle Stellen" scheinbar nicht ergibt. Man mag die Hoffnung dennoch nicht aufgeben.

Ich hoffe ebenfalls darauf, daß manche Leser und Leserinnen trotz meiner Neigung zu "Gefasel" und technischen Ausführungen am Ende des Konzepts diese Vision etwas teilen können und sich vielleicht aktiv beteiligen wollen.


I. Stil, Technik, Themen
II. Charaktere, Background, Locations
III. Konzeptideen zu Folgen
IV. Dialogauszüge aus möglichen Skripten
V. Ergänzungen
Abschlußkommentar
 

I. Stil, Technik, Themen

1.1 Stildefinition

Grundsätzlich geht es mir um eine Animationsserie, der es durch verschiedene Erzählebenen möglich ist, auf der einen Seite eine jüngere Zielgruppe durch Humor und offene satirische Elemente anzusprechen. Darüber hinaus soll die Serie durch subtile Satire und Hinterfragung von sozialen, medialen und politischen Themen, sowie durch umfassende Zitate und Referenzen auf deutsche, europäische und weltweite Popkultur auch für ältere Zuschauer inhaltlich ansprechend sein. Auch die Verwendung von ernsteren Themen und Charakterentwicklungen auf vielschichtige Art sollen die Serie vom üblichen Schema "Zeichentrickserie" abheben.

Auf zwei Sätze gebracht, geht es darum, vor allem Deutschland und Europa mit Humor gezielt den satirischen Spiegel vorzuhalten und dabei den interessierten Zuschauer zum Nachdenken und Hinterfragen seiner Welt anzuregen. Zeitgleich geht es aber auch darum, echte Geschichten zu erzählen und die fiktiven Charaktere, ihre Motivationen und ihre Welt zu respektieren.

Ein wirklich konkreter Eindruck von der Idee und der Vielfältigkeit der Möglichkeiten wird wohl erst durch die Folgenideen in Punkt III und den Ergänzungen deutlich, zuvor jedoch einige Grundlagen für einen besseren Einstieg in spätere Abschnitte.

Wie könnte dieses innovative Serienformat nun im Detail aussehen?

Wir haben ein komplexes und auf Kontinuität basierendes Serienuniversum mit Charakteren, welche ebenfalls über vielfältige und real wirkende Eigenschaften, Facetten und Emotionen verfügen, und sich im Laufe der Serie aktiv weiterentwickeln. Für eine diskursive Behandlung von vielfältigen Problemthemen unserer Gesellschaft müssen die Charaktere bisweilen aber auch eine filternde bzw. reflektierende Funktion übernehmen. Das medientheoretische Buch "Subversion zur Primetime" zeigt wichtige Aspekte solcher Serienformate sehr gut auf und ist als Literatur zum Thema unbedingt zu empfehlen.

Die Serie legt großen Wert auf charakterliche Entwicklung, sollte dies aber mit einer guten Balance zu Humor und intelligenter Satire und mit passender Geschwindigkeit tun (gerade hier besteht eine stilistische Herausforderung darin, inhaltlichenTiefgang zu wahren, den Kontakt zur nötigen Geschwindigkeit und Schärfe der Handlung aber nicht zu verlieren). Der Level der Surrealität sollte eher niedrig sein und sich auf einzelne visuelle Gags und Gedanken- bzw. Traumsequenzen beschränken (mit Ausnahmen). Die Surrealität der Serie sollte Satire betonen und nicht Realität verzerren und der Satire die Basis nehmen.

Die Natur der Serie als Trickserie soll allerdings keinesfalls ignoriert werden, zu "reine" Realität wäre eine klare Vergeudung des Potentials und der komplexen Stilmittel, die einem die Animation gibt. Dienen Surrealität und visueller Humor der Unterstreichung eines satirischen Punktes, einer Parodie, einer Referenz etc., so ist natürlich mit solchen Elementen zu arbeiten. Die Integrität der Charaktere selbst ist jedoch stets über eine satirische Überzeichnung und Abstraktion zu stellen.

Diese Definition nur als grober Ausgangspunkt, speziell die Punkte II, III und IV sollten die eigene Identität der Serie und ihre Fähigkeit zur kritischen Meta-Betrachtung der eigenen Natur als Animation zeigen.

1.2 Marktpotential

Eine derartige Serie auf Animationsbasis wäre ein Novum in der deutschen TV-Landschaft - nämlich Qualitätsanimation in Serie mit Stil und Inhalt für verschiedene Zielgruppen - und daher ein Konzept mit (meiner Ansicht nach) großem Marktpotential.

Viele deutsche Zuschauer über 20 Jahren haben das Medium "Trickfilm" für sich entdeckt und sehen darin weit mehr, als nur reine Unterhaltung für eine jüngere Zielgruppe. Für diesen Erfolg waren zu einem beträchtlichen Teil auch verschiedene Serien aus dem US-amerikanischen Bereich verantwortlich, die jenes inhärente Potential des Formats genutzt haben. Mittlerweile sind einige dieser Serien aber entweder eingestellt oder haben sich dem aktuellen Zeitgeist folgend zu sehr der "Mainstream"-Unterhaltung angepasst und den Reiz für viele Zuschauer verloren. Diese Zielgruppe ist nun auf der Suche nach einer passenden Alternative.

Sie vermisst eine kritische Animationsserie in unterhaltsamer Form, die auf Probleme und Fragen ihres Lebens Bezug nimmt. Gäbe es eine derartige Serie hier in Deutschland (noch dazu eine Serie mit konkreten Bezügen zu Europa/Deutschland) dann wäre dieses Konzept von enormem Interesse. Eine solche Serie würde ein potentiell starkes Novum im Programm darstellen - wie mir bisherige Leser des Konzepts auch immer wieder versichert haben.

1.3 Technisches

Die Qualität und der Stil der Animation sollten dem Format angemessen sein. Die Gestaltung von Charakteren (Aussehen, Gestik und Mimik) und ihrer Umwelt sollten dem realitätsbezogenen Grundgedanken der Serie angelehnt sein, eine zu simple Darstellung oder Abstrahierung würde dem Format und den Figuren nicht wirklich gerecht werden. Wünschenswert wäre natürlich Animation mit hohem Detailgrad, 3D-Effekten und Computerunterstützung. Die inhaltlichen Qualitäten sollten ihr Gegenstück in einer ebenso ausgeführten visuellen Umsetzung finden. Trotz des realen Ansatzes sollen für Traumsequenzen, Fantasien etc. auch ausgefallene und surrealistischere Ideen visualisierbar sein. Dies gilt auch für alle anderen Formen der medialen Umsetzung.

Als Rollensprecher wären unverbrauchte Leute wünschenswert, da die üblichen Sprecher aus der deutschen Tricksynchronisation leider auffallend häufig benutzt werden. Die Qualität der Figuren steht und fällt auch mit dem Engagement der Sprecher und deren Natürlichkeit und "Einzigartigkeit" in Bezug auf ihre Rolle. Für Gastrollen in der Serie können jedoch durchaus bekanntere deutsche Sprecher eingesetzt werden oder auch "Gaststars", wenn es die Handlung verlangt (siehe z.B. Punkt III, Folge 5).

Die Länge einer Folge sollte bei ca. 25 Minuten liegen.

1.4 Themen und Referenzen

Die bisher grundsätzlich prägenden Serien aus dem Format animierte Satire/Gesellschaftskritik stammen zum Großteil aus einem US-amerikanischen Kulturkreis. Nun sind deren Themenbereiche keinesfalls direkt zu übernehmen, da die Grundlagen derartiger Formate auch immer vom kritisch zu betrachtenden Kulturkreis abhängig sind. Viele frische Themen ergeben sich ja gerade erst aus einem europäischen Blickwinkel auf die Welt (z.B. linksliberal geprägte Kritik am Weltbild der USA).

Auf der anderen Seite sind Themen wie etwa Mediensatire und Politsatire universell anwendbar, spezielle deutsche Themen sind natürlich eigenständig zu entwickeln. Das US-Thema Vietnam ließe sich z.B. in ein deutsches Thema 68er-Generation ändern.

Eigene Themen einer deutschen animierten Satire könnten z.B. sein

- Politskandale
- Medienhysterie
- Bildungsnotstand
- Familie und Gesellschaft
- Europa und Welt
- NS-Zeit
- DDR-Zeit
- Kultur-/Werteverlust
- Adaption von US-Kultur
- Politische Unkenntnis
- Geschichtliche Unkenntnis
- Allgemeine Ignoranz

Während US-Formate auf den umfangreichen Zitatenschatz der Americana zugreifen, sollte eine Serie in Deutschland natürlich auf einen eigenen kulturellen Background referieren. Bei entsprechender Ausarbeitung jener Bezüge (diese müssen sich auch für Nichtkenner der zitierten Vorlagen in eine Handlung einfügen, siehe "Subversion zur Primetime" und das laterale Apropos) könnte man also z.B. mit Bezügen zu Autoren wie etwa Goethe, Schiller, Brecht, Kafka, Lessing, Döblin, Grass, Wallraff und viele mehr arbeiten. Auch der deutsche Film an sich ist eine Quelle für Referenzen, die TV-Landschaft nicht zu vergessen.

Beim deutschen Film sollten sich natürlich auch Referenzen auf "klassischere Vorbilder" finden, z.B. auf Murnau oder Lang. Bei Ausnahmefolgen oder surrealen Traumbildern etc. kann also durchaus mit diversen "caligarischen" Bildwelten gearbeitet werden, Lang-Filme wie "M" bieten sich ebenfalls an. Solche Referenzen fallen dem normalen Zuschauer zwar nicht direkt auf, durch das laterale Apropos tragen sie jedoch zu Qualität und Einfallsreichtum bei oder wecken Interesse, mehr über den Ursprung des Zitats herauszufinden. Filmkenner würden die Referenzen natürlich allein ihres Bezuges wegen schätzen.

Natürlich kann man die internationale und speziell die amerikanische Kultur nicht ignorieren, Bezüge zu US-Filmen/Literatur/Musik etc. könnten also ebenfalls reichlich vorhanden sein. Diese könnten aber zum Teil auch als Satire auf eigenen Kulturverlust und übermäßige Adaption von US-Kultur/Verhalten dienen. Es ist auch mit einer Auswahl an Filmen zu arbeiten, auf die bedeutend häufiger referiert wird, als üblich. Nicht zu vernachlässigen ist im Bereich internationale Filmkultur auch der osteuropäische Film, wie es etwa als Beispiel in Folgenidee Nr. 40 (unter Punkt Ergänzungen) zu sehen ist.

Musikalisch sollte die Serie auf eine umfangreichen Auswahl zugreifen, die von aktueller Musik bis hin zur Klassik reicht. Der Schwerpunkt sollte auf internationaler Musik liegen, keinesfalls sollte der z.B. in deutschen Soaps betriebene (Vermarktungs)drang zu aktueller Popmusik entstehen. Musik wird in der Serie hauptsächlich als atmosphärisches Stilmittel eingesetzt, daher ist durchaus mit "Klassikern" wie Deep Purple oder Led Zeppelin zu arbeiten, auch die Neue Deutsche Welle könnte in der Serie ein "Revival" erleben. Musikalisch sollte das Konzept sehr offen sein.

Die unter Punkt III aufgeführten Folgenideen geben einen groben Eindruck von der "Spannweite" einer solchen Serie betreffend satirischer Themen. Wir sehen dort Beispiele für Satire zum Thema Gesellschaft, Medien, Politik etc., aber auch Parodien und (selbst)referentielle Folgen mit Potential zur Kulturreflektion dieses Landes. Es sollte grundsätzlich eine Balance bestehen, sowohl innerhalb von Folgen, als auch innerhalb von Staffeln. Eine Balance ist die subtile Qualität, die Leute oftmals unbemerkt von einer Serie und deren tieferen Qualitäten überzeugt.

1.5 Kontinuität und Zeitlinie

Im Unterschied zu vielen anderen Trickformaten sollte die Serie eine reale und logische Zeitlinie und Kontinuität aufweisen, d.h. Ereignisse in früheren Folgen nehmen Einfluß auf spätere Folgen. Die Charaktere selbst altern und demzufolge ändern sich ihre Lebensumstände und Möglichkeiten für Handlungen und Satire (z.B. durch Verlassen der Schule). Auf diese Weise könnte eine Stagnation vermieden werden. Auch subtile Plotfäden, die sich über mehrere Staffeln verteilen (und erst im Gesamtbild der Serie eine schlüssige Handlung ergeben bzw. sich ergänzen) wären dadurch möglich. Diese Zeitabschnitte sollten durch eine Aufteilung in Staffeln gegliedert sein, z.B. jeweils 2 Staffeln a 20 Folgen  => 1 Jahr Zeit in der Serie.

Innerhalb dieses Zeitraumes kann natürlich mit klassisch-restaurativer Kontinuität gearbeitet werden, d.h. am Ende einer Folge ist alles "back to normal". Im übergreifenden Bild sollte aber eine durchaus dynamische Kontinuität erkennbar sein. Auch dies ist ein hilfreicher Bruch mit den Konventionen des Genres, der in ähnlicher Form auch schon in anderen erfolgreichen Animationsserien für eine ältere Zielgruppe verwendet wurde. In Ausnahmefolgen kann selbstverständlich auf diese logische Kontinuität verzichtet werden, die Natur der Serie als Animation gibt vielfältige Möglichkeiten

II. Charaktere, Background, Locations

2.1 Hauptcharaktere

Im Folgenden nur eine kurze Definition der drei jugendlichen Hauptcharaktere. Ein Charakter sollte sich eigentlich durch seine Aktionen in Folgen entwickeln und ein offenes Konzept sein, deshalb ist eine zu spezielle Definition nicht notwendig. Charaktere erreichen ihre höchste Klasse, wenn sie mit Konventionen brechen, die folgenden Informationen also nur als grober Rahmen.

Die gesamte Serie baut auf der Interaktion von 3 charakterlichen Außenseitern auf, die sich in ihren Eigenschaften unterscheiden und ergänzen bzw. sogar eine Ersatzfamilie bilden. Ein wichtiges Grundthema der Charakterisierung ist stets die Individualität des Einzelnen und das Verhältnis zur Gesellschaft. Die Personen sind:

Alexandra "Alex" Dahl (Alter: 16)

Alex ist das klassische Beispiel eines linksliberalen Charakters mit Tendenzen in Richtung 68er-Generation oder Protestgeneration der frühen 80er (was in ihrer Umwelt des 21. Jahrhunderts stets etwas anachronistisch wirkt, aber auch ein guter Ansatz für eine konkrete Hinterfragung von Problemen des aktuellen Zeitgeists ist.) Sie ist ein sarkastisch geprägter Gegenpol, sowohl zur aktuell gültigen Jugendkultur (im Unterschied zu Rick mit Absicht) als auch zu weiblichen Rollenbildern. Sie protestiert gegen die Leere von Konsum und Popkultur, um ihrem Leben einen Inhalt zu geben.

Diese Funktion als halbstereotypes "Protestobjekt" und Filter ist ein wichtiger Aspekt ihres Lebens, wird aber in Selbstreflektion auch von ihr angezweifelt und nach einem tieferen Sinn hinterfragt. Sie ist ein relativ introvertierter Charakter, kann aber nach einem kleinen Anstoß durchaus zu emotional geprägten Handlungen neigen. Während ihre Funktion als linksliberaler Filter ein festes Konzept ist, ist ihre Emotionalität in der Kontinuität ausbaufähig und um Schichten erweiterbar.

Im Gegensatz zu Rick ist bei Alex durchaus klar, warum sie sich nicht in die Jugendkultur der Stadt einfindet. Ihre auffallend linke Orientierung (illustriert bspw. durch ein Poster von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg in ihrem Zimmer) und Hinterfragung geht bisweilen weit und ihre Intelligenz läßt sie in fast schon tragischer Art am Sinn fast jeden Aspekts der Popkultur zweifeln. Sie protestiert gegen Dinge, um irgendwo einen Inhalt und Sinn zu sehen, wobei das Spektrum ihres Protests relativ weit reicht, die Kritik an Adaption von US-Verhalten und gegen "kulturimperialistische US-Einflüsse" sind ein wiederkehrender Aspekt.

Sie ist hochintelligent und hat grundsätzlich einen riesigen Vorrat an Zitaten, Ideen und Philosophien, durch ihre auffallend hohe "Kopflastigkeit" und den Bruch mit Rollenverhalten hat sie sich aber emotional von ihrer Altersgruppe separiert und ist somit (auch wenn sie es nicht zugibt) auf Rick und Mike als ihre einzig wahren Freunde angewiesen. Ihre "Vergeistigung" hat sie trotz physischer Attraktivität in die Rolle eines Außenseiters gebracht. Schulisch ist sie Klassenbeste, gerät aber wegen ihrer radikal wirkenden Ansichten häufig in Probleme mit dem Erziehungssystem.

Richard "Rick" Meirich (Alter: 17)

Rick ist auf den ersten Blick der klassische deutsche Popkultur-Teenager, der sich sowohl in seinem Verhalten als auch in seinem Vokabular auf "Coolness" und Adaption von US-Vorbildern bezieht, er ist daher eine ständige Referenz auf TV-Jugendkultur und Werbungseinfluß. An der Oberfläche ist er relativ extrovertiert und kommerz/konsum-orientiert - schnelles Geld, wenig Arbeit, immer auf einen eigenen Vorteil aus und dabei cool aussehen (<= äußere Art.)

Im Gegensatz dazu ist er im Kern aber auch ein Gegenpol zu den Pflichten und Regeln, die ein Leben an der Popkultur-Front zwangsläufig mit sich bringt und falls notwendig durchaus zu Selbstreflektion und Hinterfragung seiner eigenen "Ideale" fähig. Schulisch ist er als "Underachiever and Proud of it" zu sehen, zeigt jedoch bisweilen ein auffallend hohes Spontanwissen. Sein Moralitätslevel und sein Sinn für Werte ist höher, als er selbst zugeben will, braucht jedoch oft einen kleinen Anstoß (in der Regel von Alex) um sich gegen all seine popkulturellen Ideale durchzusetzten.

Die Diskrepanz zwischen seiner "äußeren Art" und seiner "inneren Art" ist vermutlich der Grund, daß er sich trotz seines Konformbewußtseins nicht in die Jugendkultur einfindet (außer verbal) und daher auf Alex und Mike als Freunde (bzw. als Ersatzfamilie, siehe Punkt 2.2) angewiesen ist, auch wenn er dies stets bestreitet. Sein fehlender familiärer Background und ein emotionales "Bezugsloch" zu einer erwachsenen Person sind ebenfalls als charakterbildende Aspekte zu sehen.

Im Gegensatz zu Alex wird bei Rick nie ganz deutlich, warum er sich gesellschaftlich nicht in die von ihm selbst so hoch "zelebrierte" Jugendkultur einfindet, es wird angedeutet, daß die Freundschaft mit Alex und Mike einer der Gründe ist, was ihn auch vor eine Wahl stellen kann. Die Kernfrage lautet "Was ist, wenn man ein cooler Teenager, Underachiever und Troublemaker ist, und trotzdem nicht wirklich von seiner Gesellschaft bzw. eigenen Jugendkultur akzeptiert wird?" und jene übergreifende Frage ist als roter Charakterfaden und offenes Konzept durch viele Episoden anzulegen.

Michael "Mike" Keller (Alter: 16)

Mike ist ein anachronistisch unschuldiger und kindlich wirkender Charakter, der seiner Gesellschaft weder wirklich kritisch noch wirklich aufgeschlossen gegenüber steht, sondern eine eigene Sicht der Dinge hat. Während es bei Alex um Protest gegen gesellschaftliche Strukturen geht und bei Rick um (versuchte) Adaption an solche Strukturen, ist sich Mike nicht sicher, ob eine Notwendigkeit für das eine oder andere überhaupt vorhanden ist. Er ist ein Außenseiter, weil es so etwas wie Anpassung von seinem Blickwinkel aus nicht gibt, er ist also in diesem Bezug ein freier Charakter.

Da er in Rick und Alex Bezugspersonen gefunden hat (Ersatzeltern, siehe Punkt 2.2) tendiert er aber dazu, deren Verhalten zu imitieren (z.B. Ricks Vokabular) ohne Hintergründe zu sehen, womit er im Bezug auf seine Freunde ein eher manipulierbarer Charakter ist und Rick Tendenzen hat, dieses auch auszunutzen. Mikes eigener Charakter ist schwächer ausgebildet und tendiert zur Labilität, vor allem wenn Bezüge seines kindlichen Weltbildes in Frage gestellt werden, kann aber auch Stärke zeigen.

Seine Unschuld sollte nicht mit Dummheit verwechselt werden, Mike verfügt über einen hohen Grad an emotionaler Intelligenz und Hinterfragung (was aber nur von Alex gewürdigt wird) und einer sehr speziellen Philosophie, die oft Wahrheiten enthält. Die Anwendung dieser Fähigkeiten wird allerdings oft von seiner "Unfähigkeit" verhindert, die dunklen Seiten der Realität zu sehen. Sein Konzept ist so gesehen offen, da sich sein Charakter aus der Unschuld heraus entwickeln kann.

[Anmerkung: von Lesern wurden bisweilen die zu englisch wirkenden Namen der Hauptcharaktere kritisiert. Dahinter steckt aber durchaus Absicht - bei Rick wird mit dem Namen auf seine Ausrichtung auf US-Popkultur hingedeutet, bei Mike soll sein ebenso wirkender Name auch auf eine Art Mitläufertum im Bezug auf Ricks Anpassung hinweisen. Auf subtiler Ebene entbehrt es auch nicht einer gewissen Ironie, daß derart benannte Figuren adaptierte Popkultur persiflieren bzw. hinterfragen.]

2.2 Familiäre Strukturen

Die Familie als klassische Struktur wird in den Hintergrund gedrängt bzw. ist in ihrer typischen Form erst gar nicht vorhanden, die gesamte Handlung baut hauptsächlich auf der Interaktion zwischen den drei Hauptcharakteren auf. Die folgende Übersicht über den familiären Background ist daher eher als Information zu verstehen und nicht als handlungstragendes Element. Entwicklungen auf dieser Ebene sind eher Randerscheinungen der Handlung.

Ricks Eltern sind seit vielen Jahren tot und er lebt bei seinem älteren Bruder, zu dem er jedoch wenig emotionalen Kontakt hat, da sein Bruder ein klassischer deutscher "Yuppie" ist und in einer sterilen Welt aus Markenbewußtsein, Konsum und Image lebt. An der Oberfläche mag Rick das Verhalten seines Bruders imitieren, im Kern haben sie aber keinen Bezug zueinander. Der Charakter ist selten zu sehen, meistens nicht zuhause und wird grundsätzlich nicht mit Vornamen genannt.

Mikes Eltern sind "aufrechte deutsche" Eltern, seine Mutter ist Hausfrau und sein Vater Bauarbeiter. Beide sind eher simple Rezipienten von Medieneinfluß und Mob-Verhalten, Stereotype in einem sehr festen Schema und im Kern unfähig zu eigener Argumentation. Mike als unschuldiger und kindlicher Charakter (mit emotionaler und hinterfragender "Intelligenz") passt überhaupt nicht in die Familie. Er wird daher speziell von seinem Vater ignoriert, was ihm umfassende "Freiheit" gibt.

Alex lebt bei ihrem alleinerziehenden Vater Martin Dahl, der als einzige erwachsene Bezugsperson einen stärkeren Einfluß auf das Seriengeschehen hat. Er ist durchaus ein passender Vater für Alex, überzeugter Linker, Ex-Student und Alt-68er, als Anspielung tauchen immer wieder seine Kontakte zum radikalen Untergrund jener Zeit auf. Von allen Hauptcharakteren hat Alex die einzige wirklich aktiv funktionierende Bezugsperson, ist aber trotzdem ständig auf der Suche nach Antworten, die ihr auch ihr (vom 21. Jahrhundert eher verbitterter) Vater nicht geben kann.

2.3 Ersatzfamilie und Rollenbilder

Da keiner der Hauptcharaktere einen intakten Familienhintergrund hat und auch zur Gesellschaft der Stadt nicht konform ist bzw. nicht sein will, fungiert die Gruppe der drei Freunde quasi als "Familie" für sich, mit Rick und Alex in Form der Eltern (wobei besonders Alex ihre Erziehungsfunktion recht deutlich wahrnimmt) und dem emotional unschuldigen und zum Teil auch labilen Mike als Kind. Es ist durchaus mit Anspielungen zu arbeiten, die diesen ungewöhnlichen Status der unkonformen Freundschaft besser hervorheben (bsp. Rick, der Alex natürlich sarkastisch - und doch tiefergehend - als die nervige Mutter bezeichnet, die er selbst schon lange verloren hat.)

In diesem Bezug ist auch zu sehen, daß das geschlechtliche Rollenbild innerhalb der "Ersatzfamilie" aufgehoben ist, d.h. es wird kein ernsthafter sexueller Bezug zwischen Alex und Rick gezeigt, die sexistischen Tendenzen die Rick ansonsten gegenüber dem weiblichen Geschlecht zeigt, greifen in Bezug auf Alex nicht. Hier wird somit auch ein merklicher satirischer Kontrapunkt zur Sexualfokussierung bzw. einseitiger Beziehungsplots in deutschen Soaps/Filmen gesetzt. Auch die Tatsache, daß auf die Figur grundsätzlich nur als "Alex" bezogen wird (mit Ausnahme des Vaters, der den Namen Alexandra benutzt) unterstreicht dieses interne Aufheben fester Rollenschemata.

Derartige Bezüge müssen sich im Laufe einer Kontinuität entwickeln und sollten daher recht wenig vordefiniert sein, die obigen Informationen daher nur als grundsätzliche Situation.

2.4 Ergänzungscharaktere

Selbstverständlich kann eine solche Serie nicht nur mit drei Hauptcharakteren funktionieren, sondern nur mit einem komplexen "Universum" und einer Vielzahl von Charakteren zur Interaktion. Ich will die Nebencharaktere (die sich im Verlauf einer Serie durch ihre Notwendigkeit sowieso selbst einführen und ausbauen würden) nun gar nicht umfassend erläutern, sondern nur kurze Stichpunkte geben.

Als vierter "Hauptcharakter" fungiert wie bereits erwähnt Alex´ Vater Martin Dahl, während andere Familienpersonen völlig im Hintergrund bleiben und sich eher in Statistenrollen finden. Sehr wichtige Personen sind natürlich noch ein Bürgermeister, ein Schulrektor und zwei oder drei Lehrer (Rick und Freunde sind schließlich noch Schüler) und ein kleinerer Kreis von entfernteren Freunden und Leuten aus der Schulklasse. Dann natürlich ethnische Gruppen wie etwa ein türkischer Döner-Mann oder ein Inder im Computerladen der Stadt bzw. auch verschiedene deutsche Dialektypen.

Da die Serie als wichtigen Punkt auch Kulturreflektion und kritische Hinterfragung modernen Lebens aufweist, sollte eine Art Nostalgiker auftauchen, der mit dem modernen Leben Probleme hat oder es gänzlich ablehnt. Nennen wir die Figur Klaus (siehe auch Dialogauszüge unter Punkt IV) und planen wir sie für eine Verwendung in diversen Folgen ein, in denen es um Fortschritt und dessen Vor- bzw. Nachteile (technisch/sozial/politisch) geht. Eine Eigenschaft von Klaus könnte es z.B. sein, daß seine Kleidung und komplette Wohnungseinrichtung dem Stand von 1981 entspricht.

Auch die Medienfraktion sollte in der Stadt vertreten sein, z.B. über den Redakteur der Lokalzeitung oder eine obskure Reporterin. Ein Radiosender und ein etwas seltsamer Alleinmoderator (als Parodie eine deutsche Version von Wolfman Jack aus "American Graffiti") wären auch von Vorteil, ebenfalls eine Reihe von Politcharakteren neben dem Bürgermeister. Generell sollte hier jeder satirische Aspekt der Gesellschaft eine Reihe von Personen stellen.

Ein wichtiger Charakter im Laufe der Serie dürfte ein Großindustrieller und Kapitalist sein (jede gute Satire braucht einen) der viele Betriebe der Stadt (wenn nicht die Stadt selbst) kontrolliert. Die Rolle nennen wir hier Walter Maybach, dessen Tochter Lenina Maybach als Konsumperson, Genußmensch und weibliches Soap-Rollenbild den Kontrapunkt zu Alex setzt.

2.5 Locations

Es ist in Deutschland bei weitem schwieriger, eine Art "Everytown Germany" zu konstruieren, die den Anforderungen einer Satire entspricht. Die Anonymität und "Allgemeingültigkeit" einer Stadt ist bedeutend schwerer zu wahren, da in Deutschland doch viele Aspekte auf eine Lage hindeuten, z.B. Dialekt, Stadtname, Nummernschildern, Informationen über das Bundesland etc. Es würde hier auch weit surrealer wirken, wenn die Lage der Stadt z.B. sowohl am Meer, als auch in der Bergen wäre.

Da sich die Satire und Kritik der Serie aber auf ganz Deutschland bezieht, sollte man eine zu genaue Ortsdefinition trotzdem vermeiden. Nennen wir den Ort unserer Handlung Bruchbach, und zwar aus dem einfachen Grund, daß dieser Name nicht im Verzeichnis des Postleitzahlenbuchs auftaucht. Wir nehmen also nicht den häufigsten Namen (was hierzulande wohl "Neustadt" wäre), sondern den Stadtnamen, der nicht existiert, um die Allgemeingültigkeit halbwegs zu unterstreichen.

Unser Bruchbach ist eine Kreisstadt mit 22.000 Einwohnern im mittleren Westdeutschland, umgeben von fiktiven Städten oder aber Städten, die in der Realität niemals zusammen liegen. Nummerschilder an Autos sind ebenfalls in der Realität nicht existent, die Abstände zu bekannten Städten können aus Gründen der Meta-Ironie durchaus variieren. Bruchbach liegt in einer Mittelgebirgslandschaft, wie sie in dieser Art in Mitteldeutschland häufig anzutreffen ist und auf die als Bruchbacher Wald bezogen wird.

In der Stadt selbst sind verschiedene Dialekttypen und Volksgruppen vertreten, die Standardsprache der Hauptcharaktere wird aber dialektfrei sein. Sowohl kulturell als auch medial ist Bruchbach relativ in sich geschlossen, mit eigenem Kino, Theater und sogar Radiosender. Mit einer Einwohnerzahl von 22.000 bietet die Stadt den passenden Background für eine ausreichende Auswahl an Locations und Subkultur (den deutschen Standard reflektierend) wobei speziell Mißstände und z.B. soziale Aspekte natürlich überzeichnet sind bzw. die realen Umstände in der BRD satirisch (über)betonen.

III. Konzeptideen zu Folgen

Da dieser Bereich ständig in Entwicklung begriffen ist und daher die Konzeptideen im "alten" Konzept nie up-to-date wären, wurde der Bereich in die Staffelauflistung verlagert. Alle über 90 Handlungsideen in 5 Staffeln verteilt, finden sich nun hier:

Klick für Staffelauflistung + Handlungsideen

IV. Dialogauszüge aus möglichen Skripten


Im Folgenden einige Dialogauszüge aus möglichen Skripten zur weiteren Erläuterung von Stil und Interaktion der Figuren bzw. von speziellen Aspekten. Die Beispiele sind ebenfalls nur plump und daher nur als Entwicklungskonzept gedacht. Die kursiven Erläuterungen geben weitere Information.

Anmerkung: dies sind die Dialogauszüge aus der "Urfassung" des Konzepts und können daher teilweise auch im Widerspruch zu aktuelleren Entwicklungen stehen. Einige haben aber durchaus Eingang in bereits existierende Skripte gefunden:

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Titellose Folge, kurzes Beispiel für zeitgeschichtlich orientierten Humor mit Bezug auf die 68er-Generation. Derart komplexe Anspielungen sollten natürlich nur moderate Verwendung finden.

Rick:    "Ich hab auch schon genau das richtige Werkzeug, um die Staatsmacht so richtig zu schocken" [präsentiert] "Tatatata...."

Er zieht einen zusammengerollten Teppich aus einer Ecke. An dem Teppich hängt ein Schild mit der simplen Aufschrift "HURRA".

Alex:    "Und was genau ist das?"
Rick: [schüttelt Kopf]    "Muß man euch alles erklären?" [Pause] "Das ist ein Jubelperser..."

Alex schlägt sich die Hände vors Gesicht.

Mike: [freudig]    "Cool..." [unsicher] "Versteh ich nicht..."
Alex: [verdreht Augen]    "Rick auch nicht..."

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Auszug aus Folge "Fischers Fritz" (siehe oben)

Alex: [anklagend]    "Du trittst also für eine Statue ein, die nur der Glorifizierung arischer Überlegenheit gewidmet ist?"

Rick: [winkt ab]    "Ach. Was bedeutet schon Glorifizierung? Was bedeutet schon Arisch? Was bedeutet schon Überlegenheit?"

Er kratzt sich grübelnd am Kinn und dreht sich zu Mike um.

Rick:    "Hey. Das sind wirklich gute Fragen." [Pause] "Mikey, hol mir ein Wörterbuch..."

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Auszug aus Folge "Humor ist..." (siehe oben)

Rick:    "Was muß man machen, um hier ein berühmter Comedian zu werden?"
Alex: [sarkastisch]    "Andere Kulturen beleidigen, Sexismus praktizieren und mindestens einmal pro Satz das Wort Analverkehr benutzen..."

Rick: [macht Notizen]    "Aha. Klingt gut. Danke..."

Er geht zur Tür raus, Mike kommt gerade rein.

Rick:    "Hey Mikey. Guter Analverkehr heute, was?"
Mike: [verwirrt]    "Ich weiß nicht. Ich bin mit dem Rad da..."

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Unspezifizierte Folge. Beispiel für sarkastischen Humor. Der Text könnte als Begleitung einer Szene laufen, z.B. zu Rick auf der Couch vor dem Fernseher. Sprecher off-screen, im besten Fall einer der echten Sprecher aus der Sendung mit der Maus.

Sprecher:    "Letzte Woche habt ihr gesehen, wie der Onkel Jürgen von seiner Frau verlassen wurde und heute hat er uns dabei geholfen, euch zu erklären, was denn eine fristlose Kündigung ist." [Pause] "Und warum der Onkel Jürgen jetzt mit einem Strick in der Hand auf den Dachboden geht, das erfahrt ihr gleich nach der nächsten Maus..."

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Mögliche Einleitungsszene einer titellosen Folge, Parodie/Satire und Meta-Humor. Da die Szene in sich geschlossen ist, könnte sie vor einen eigentlichen Vorspann gesetzt werden.

Rick sitzt bei sich daheim auf der Fernsehcouch. Alex kommt von rechts ins Bild und sieht sich kurz das Programm auf dem Bildschirm an. Die Szene blendet auf den Bildschirm.

Ein paar hippe Teenies schleichen in der Nacht vor dem Ortsschild von Düsseldorf herum.

"Jeff": [monoton]    "Wir sind doch nur ganz normale deutsche Teenager - ich und Jack und Jim und Billy-Bob und Sue..."

Ein paar Gestalten in windigen Karnevals-Kostümen trotten ins Bild und sagen "Buh".

"Jeff": [monoton] "Hilfe. Die Vampirlords aus Wanne-Eickel..."
"Sue": "Wer kann uns jetzt noch helfen?"

Die Vampire halten sich plötzlich die Nasen zu und laufen jammernd aus dem Bild.

"Jeff": [monoton] "Was riecht hier so?"
"Sue": [schnüffelt] "Das riecht nicht nur, das muffelt..."

Gruppe: [freudig] "Es ist...Muffi..."

Ein fetter Kerl mit Bierbauch und einer Tüte Harzer Käse in der Hand kommt ins Bild. Alle jubeln.

Blende zurück zu Rick und Alex auf der Fernsehcouch.

Alex: [erstaunt] "Muffi?"
Rick: "Meh. Diese deutschen Rip-Offs werden immer lausiger..."

Im Hintergrund fährt Mike mit einem Skateboard von rechts nach links durchs Bild.

Mike: [winkt] "Cowabunga, Dudes..."

Rick und Alex sehen sich nachdenklich an.

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Auszug aus titelloser Folge.

Rick: "Unsere neue Partei braucht einen coolen Namen, irgendwas das hip ist
 und trotzdem viele politische Inhalte verkörpert. Sowas wie...." [denkt nach] "Neue Super Dynamische Action Partei." [nickt] "Yeah..."

Mike: "Ist das nicht etwas lang?"
Rick: "Das kürzen wir natürlich mit den Anfangsbuchstaben ab. Wart mal..."

Er kritzelt auf einem Wahlplakat mit einem dicken Stift herum. Als wir das Plakat sehen, steht unter dem Bild von Mike die Aufschrift:

WÄHLT MIKE KELLER - WÄHLT N.S.D.A.P.

Mike: "Ich weiß nicht. Irgendwas daran gefällt mir nicht..."
Rick: [erschrocken] "Hoppla. Du hast recht. Das können wir nicht bringen..."

Er kritzelt eine Weile am Bild herum.

Rick: "Jetzt ist besser."

Wir sehen, das er nur ein paar krude Blümchen unter die Schrift gemalt hat.

Rick: [freudig] "Das zieht die Ökofreaks auf unsere Seite..."

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Auszug aus "Rick und die Spielwarenfabrik" (siehe oben)

Alex: "Dieses US-Weihnachten wird uns immer totalitärer aufgezwungen..."
Mike: [murmelt] "Totali...was?"

Er grübelt nach und die Szene blendet in seine Gedanken. Wir sehen einen dicken Santa, der ihm eine Zuckerstange mit Stars&Stripes-Muster gibt.

Santa: "Hier. Ho Ho Ho. Ist total lecker..."

Blende zur Realität.

Mike: [grinst] "Ach so..."

Rick ist nicht so ganz mit Alex Argumenten einverstanden.

Rick: [winkt ab] "Pfffft. Was bitte soll denn an Weihnachten totalitär sein? Hast du etwa irgenwelche Beweise für diese Theorie?"
Alex: [deutet] "Da..."

Die Kamera fährt zurück und wir sehen nun, daß das Einkaufszentrum dick mit Plakaten überzogen ist, von denen ein finster dreinblickender Santa Claus auf die Menschen schaut. Die Aufschrift lautet:

BIG SANTA IST WATCHING DICH

Rick: "Hoppla..."

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Titellose Folge, Beispiel für deutsche Kulturreflektion, in diesem Fall TV-Kultur der 80er. Klaus ist ein noch unspezifizierter älterer Charakter, der z.B. in der Form des Nostalgikers auftreten kann.

Klaus: "Das erinnert mich an das Programm in den 80er Jahren." [schwärmt]  "Wickie und die starken Männer sind völlig ohne Grund auf dem Meer rumgeschippert, die Schlümpfe haben ihrer Asexualität gefrönt und das Kinderprogramm wurde von einer Bildstörung namens Zini moderiert."

Rick: [erstaunt] "Eine Bildstörung hat ein Programm moderiert?"
Klaus: "Jepp. Bildstörungen, Frank Elstner und Thomas Gottschalk..."
 [Pause] "Wir sind weit gekommen seit damals..."

Rick: "Na sowas..." [leise] "Die spinnen, die 80er..."

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Alternative Version/Fortsetzung des obigen Dialogs.

Klaus: "Jepp. Bildstörungen, Frank Elstner und Thomas Gottschalk..."
 [Pause] "Wir sind weit gekommen seit damals..."

Rick: "Aber Frank Elstner und Thomas Gottschalk moderieren immer noch."
Alex: "Und die Bildstörung nennt man heute Robert T. Online..."

Klaus: [unschlüssig] "Ja. Wie auch immer..."

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Auszug aus titelloser Folge, möglicherweise "Ricks Akten".

Rick: "Ich kann doch einen Film für den Kleinen aussuchen..."

Alex: [winkt ab] "Besser nicht. Weißt du nicht mehr, was beim letzten Mal passiert ist, als du einen Videofilm für meinen Ferienjob im Kindergarten augesucht hast?" [sauer] "12 Kinder mußten danach für drei Monate zum Psychotherapeuten..."

Rick: "Hey. Ich hatte gedacht Eraserhead ist der Cousin von Spongebob..."

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Auszug aus "Die Neun Torten" (siehe oben)

Alex: "Eure dämliche Tortennummer steht bereits in der Boulevardpresse..."

Sie hält eine Zeitung hoch, deren Namen sie aber mit der Hand dezent verdeckt. Auf dem Titelblatt ist ein Nacktfoto, die riesigen Schlagzeilen lauten schlicht "SEX", "GEIL" und "LUDER!!!".

Rick: [suchend] "Wo denn?"

Er zieht eine dicke Lupe heraus und sucht die Zeitung ab, bis er schließlich den winzigen Text findet.

Rick: "Cool..."

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Titellose Folge, nochmal mein Zensursatire-Konzept, diesmal weniger plump

Rick: "Gehen wir halt zu mir und sehen uns [Presslufthammergeräusch] auf Video an." [Pause] "Später können wir auch noch [Flugzeuggeräusch] auf meinem Rechner zocken..."

Alex: "Ohne mich. Ich will mir die Nachrichten ansehen und im Internet noch die Innenpolitik von [Mike hustet laut] kritisieren..."

Die Drei sehen sich für einen Moment erstaunt um.

Alex: "Täuscht mich das, oder ist es heute erstaunlich laut bei dir?"

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Auszug aus "Mr. Meirich geht nach Berlin" (siehe oben)

Rick und Mike kommen im Checkpoint-Charlie-Museum an einer Schulklasse mit hippen 12-jährigen Kids vorbei und stellen sich zur Gruppe. Die Kids lümmeln gelangweilt rum, genau wie der Lehrer.

Lehrer: [liest ab] "Und wer von euch kann mir sagen, welches Land sich denn östlich der Berliner Mauer befunden hat?"

Völliges Schweigen aus der Schulklasse, irgendjemand murmelt fragend "China?"

Lehrer: [gelangweilt] "Es war natürlich..." [liest ab] "...die DDR..."

Die Kids schütteln erstaunt den Kopf und schreiben mit. Wir sehen in den Schulblöcken, daß jemand DTR schreibt, jemand DreDre und jemand tatsächlich China.

Lehrer: [gelangweilt] "Noch Fragen?"

Ein paar Hände heben sich, aber der Lehrer schnauft erschöpft und trottet weiter. Zwei Kids sind nicht so ganz zufrieden mit den Informationen.

Kid 1: "Eye, dat kapier ich nicht. Wie war nu mit dem DDR?"
Kid 2: "Eye. Ich glaub da war dat Hitler..."
Kid 1: "Eye. Cool..."

Die Kids gehen weiter, Mike macht Notizen in seinem Block.

Mike: [schreibend] "DDR...Hitler..."

Rick nimmt ihm den Block weg und wirft ihn nach hinten.

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Noch ein Auszug aus derselben Folge, diesmal eher surrealer und überzeichneter Humor

Mike spielt im Museum an einer Selbstschussanlage herum und aktiviert das System irgendwie. Er trottet wieder zurück zu Rick, während die Szene in die "Kameraperspektive" der Anlage blendet.

Wir sehen eine Terminator-artige Grünansicht (Referenz) der Umgebung, als die Kamera hochfährt. Ein paar 8-Bit-Prozessorcodes blenden piepend ein, dann erscheint ratternd eine Schrift:

© ROBOTRON SYSTEM 1987
VEB ROTE DIODE
KARL-MARX-STADT
etc etc.

Die Kamera fährt mit einem Fadenkreuz die Umgebung im Museum ab, zu der jeweils angepeilten Person erscheint eine IDENTIFIKATIONS-Meldung im grünen Screen (kann man sich Terminator-1-mäßig vorstellen.)

Kamera schwenkt zu Museumswärter => IDENT: I.M. KLAPPSTUHL, STASI

Kamera schwenkt zu Bankier mit Geldsäcken => IDENT: PARTEISPITZE, SED

Kamera schwenkt zu altem Mann mit Sonnenbrille, sichtlich falschem Bart und einem Koffer mit Aufkleber "ICH [Herz] CHILE" in der Hand => IDENT: STAATSRATSVORSITZENDER

Die Kamera schwenkt zu Rick und Mike und ein interner Alarm geht los, das Bild zoomt auf die Coke in Ricks Hand => IDENT: REPUBLIKFLÜCHTIGE IMPERIALISTEN

VERNICHTEN!!!
VERNICHTEN!!!

Während die Anlage in Schußposition fährt, stellt Rick fest, das seine Cola zu warm ist und drückt sie einer Prawda-lesenden Schaufensterpuppe in die Hand. Mike und Rick schlendern gelangweilt aus dem Bild, die Puppe wird im Hintergrund in Fetzen geschossen.

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Titellose Folge, kleines Beispiel für die Verwendung von Filmreferenzen im Bezug auf Schilder bzw. auf die subtile Einarbeitung von Referenzen im Hintergrund bei Verwendung deutscher Sprache.

Alex: "Wir brauchen Material - Farbe, Leim, Tapeten..."
Rick: [nickt] "Auf zu Harry..."

Die Szene wechselt zur Ansicht des Firmenschildes eines Ladens. Wir lesen:

HARRY - LEIM UND FARBEN

Die Kamera fährt nach unten. Rick, Mike und Alex gehen durch die Tür

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Auszug aus "Der fantastische Tütenmann", Beispiel für Meta-Humor

Rick versucht sich im Supermarkt vor seinem Mathelehrer zu verstecken. Er greift sich eine Fernsehzeitung aus dem Regal und hält sie vor sein Gesicht. Dummerweise ist auf der Zeitung ebenfalls sein Gesicht in Lebensgröße abgebildet. Wir lesen die Schlagzeile:

TV-TRICKSERIE BELEIDIGT BUNDESRAT

Rick bemerkt die mangelhafte Tarnung.

Rick: [murmelt] "Dämliche Popularität..."

Er wirft die Zeitung weg und rennt aus dem Bild

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Auszug aus "Kriegsspiele" (siehe oben)

In der Redaktion der Spielezeitschrift.

Redakteur: [laut] "Neue Spielemuster sind da. Ihr wißt, was ihr zu tun habt..."

Er drückt einen großen Knopf, eine Alarmsirene geht los, das Büro wird in rotes Licht getaucht.

Rick: "Was soll das?"
Redakteur: "Neue Spielemuster. Sollen wir dafür vielleicht die veralteten Rechner benutzen, die wir damals vor 3 Monaten gekauft haben?"

Alle Redakteure springen hastig auf, greifen sich ihre Rechner unter den Tischen und werfen sie dann in einen Metallschredder, der die Rechner in kleine Stückchen zerhackt. Die Kamera folgt einem Förderband, das die Einzelteile auf einem meterhohen Haufen hinter dem Gebäude transportiert.

Rick: "Könnte man nicht einfach etwas nachrüsten oder die Spiele so programmieren, das sie auch auf älteren Rechnern laufen?"
Redakteur: [lacht laut] "Hahahaha...." [Pause] "Guter Witz. Ich mag dich, Kleiner..."

Rick: [freudig] "Cool..."

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Ein letzter Einfall noch zur Verwendung von Gastsprechern. Man könnte eine Meta-Folge machen, in der es um das Thema Synchro oder Cartoonsynchro geht. Rick ist auf der Suche nach Sprechern für ein eigenes Projekt - und hier haben wir eine kurze Gastrolle für bekannte Synchroleute, in dem Fall die Herren Kronberg und Danneberg.

Rick ist verzweifelt auf der Suche nach Leuten, die wie Prominente klingen. Nachdem er sich schon etliche miese Vorstellungen hat anhören müssen, begegnen ihm auf dem Schulflur zwei Nerds.

Rick: "Könnt ihr vielleicht..." [sieht sich Nerds an und winkt ab] "Ach, vergesst es..." [geht weiter]

Die beiden sehen ihm erstaunt nach.

Nerd 1: [wie Eddie Murphy] "Hey. Ich frage mich, was der von uns wollte..."
Nerd 2: [wie Schwarzenegger] "Ist doch egal. Gehen wir in den Unterricht..."

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Weiterführende Links:

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V. Ergänzungen

Ergänzung zu Punkt 1.4 Themen und Referenzen

Viele der Folgenideen im Hauptkonzept und der Ergänzung bieten Material für Referenzen. So stellt eine Folge wie "Citizen Rick" natürlich einen inhaltlichen Bezug zu Orwells "1984" dar. Man könnte diesen Bezug innerhalb der Folge auch nochmals subtil einbringen, bspw. kann in der Szene während des nächtlichen Einbruchs in die lokale Zeitungsdruckerei im Hintergrund eine Uhr 13-mal schlagen. Der Bezug fällt dem aufmerksamen Zuschauer (und Kenner) auf, ist aber nicht wirklich relevant, um der Handlung folgen zu können. Es ist immer wichtig, daß Handlungen für alle verständlich sind.

Eine Folge wie "Jäger des verlorenen Gimmicks" stellt in erster Linie ein amüsantes Abenteuer mit satirischen Elementen dar (wobei ein politisch unkorrektes Gimmick fast alles sein kann, von etwas heutzutage völlig Harmlosem bis zum RAF-Mitgliedsausweis, der im Dunkeln leuchtet und mehr.) Diese Folge kann aber gleichzeitig auf der Basis der deutschen kulturellen Reflektion funktionieren, z.B. wenn in der Handlung in Anspielungen etwa die Geschichte der Comics in Deutschland in den letzten 50 Jahren thematisiert wird.

Referenzen dieser Art könnten Rick und Mike während der ganzen Folge begegnen, z.B. in Form eines Gummipferdes oder mittels zweier eindeutiger Franzosen, die darauf bestehen, aus Bonn zu kommen und Siggi und Babarras zu heißen (letzteres als Anspielung auf die Asterix-Verunstaltung durch deutsche Herausgeber in den 60ern.) Solche Einlagen gefallen dem Kenner, könnten unter Umständen auch beim Nichtkenner Interesse wecken und sollten die Handlung nicht stören. Eine Folge wie "8 1/2 Bit" eröffnet ähnliche Möglichkeiten im Bereich Computer(geschichte).

Ein gewisses Novum unter den Folgenideen stellt "Das Kabinet des Dr. Larifari" dar. Durch die recht konkrete Anspielung auf das klassische "Caligari"-Vorbild und auch auf weitere Filme jener Zeit wie Nosferatu oder Mabuse kann die Folge zwar eine Hommage-Funktion erfüllen, läuft dabei aber Gefahr, zu viele Zuschauer außen vor zu lassen. Da die Folge außerdem Kontinuität vernachlässigt (wie im Film könnte das Ende so aussehen, daß sich Ricks neuer Kunstlehrer eine Brille aufsetzt und wieder zum Larifari des Traumes wird) sollte sie erst in einer späteren Staffel auftauchen, wenn die Serie etabliert genug ist für solche "Ausflüge" in das Surreale. "Rickshomon" ist ein ähnlicher Kandidat.

Ein kurzes Wort noch zu den zeitgeschichtlichen Anspielungen: sie sollten natürlich deutlich auf die deutsche Geschichte bezogen sein. Solche Referenzen könnten die detailgetreue Nachstellung von bekannten Fotos in anderen Situationen sein. Eine andere Möglichkeit sind Anspielungen per Zitat, in der Folge "Alex D. - ein Leben in Deutschland" könnte der Bürgermeister beispielsweise angeklagt werden, die Schattenseiten der Stadt hinter einer bunten Mauer verstecken zu wollen und sich dann mit den Worten "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen" verteidigen.

Ende der Konzeptstudie

© Christian Pfeiler 2005

Abschlußkommentar zum Serienkonzept

Zusätzlich zum neuen Vorwort und zu den Änderungen im Text war es auch an der Zeit für einen neuen Abschlußkommentar. Hatte sich der Kommentar bisher noch mit der Entstehung des ursprünglichen Textes, dem erfolglosen Angebot an zwei Sender und dem Wunsch nach Verbreitung des Materials beschäftigt, so soll der neue Kommentar sowohl ein Update dazu bieten, als auch in genauerer Weise mögliche Alternativen zu einer kommerziellen Umsetzung als Animation aufzeigen.

Nach der Publikation des Textes im Internet hatte ich mich mit dem Material nochmals stärker an Sender und Produktionsfirmen gewandt. Dabei blieben Antworten oft völlig aus oder es wurde auf einen angeblich fehlenden deutschen Markt für das Format, plus die zu hohen Kosten bei zu geringen Erfolgsaussichten verwiesen. Die dabei vorgebrachten Ablehnungsargumente waren für mich teilweise nicht nachvollziehbar, Nachfragen wurden oftmals ignoriert (lobenswerte Ausnahme: der Bayerische Rundfunk.) Danach hatte ich mich auch an diverse andere Stellen gewandt, um kreative Unterstützung für das Projekt zu finden - darunter Webseiten von Jugendorganisationen, Medienschaffenden und Medienkritikern. Auch hier blieben viele Antworten meist aus.

Wie mir jemand in einer Ablehnung schrieb, bekäme ich bei meinen "überhöhten Anforderungen" auf einem deutschen Markt höchstens Budget für den Ton. Diese Anmerkung führte mich zu der Überlegung, die Idee in Form eines Hörspiels umzusetzen. Auch hierzu wurden Sender angeschrieben, die Reaktion war oftmals ähnlich wie bei TV-Sendern. In einem Fall wurde noch in einer Mail durchaus vorhandenes Interesse geäußert, auch auf spätere Rückfragen kam aber keine Antwort mehr. Auch private Umsetzungen von Folgenskripts als Hörspiel scheiterten bisher am Fehlen von interessierten Sprechern.

Schließlich habe ich mich noch an den deutschen Comic-Markt gewandt, um zu sehen, ob sich dort vielleicht Zeichner finden lassen, die Interesse an der Idee hätten bzw. grafische Entwürfe beisteuern könnten. Neben Lob für die Grundidee wurde ich jedoch auch dort darauf hingewiesen, daß sich Zeichner vermutlich nicht an so erfolgsunsicheren Projekten beteiligen werden. Es scheint hier immer eine deutliche Diskrepanz zwischen den "privaten" Lesern zu geben, die mir Lob schicken und schreiben, eine derartige Serie bzw. Idee fehlt in der deutschen Medienlandschaft und den Aussagen "offizieller" Medienschaffender, die oftmals in Ablehnungen von fehlendem Markt, geringen Erfolgsaussichten oder gar einfallsloser Plagiatur schreiben.

Womit ich nach all den Versuchen und all den angeschriebenen Personen (ich bedanke mich bei allen, die mit Lob, Kritik und Hinweisen geantwortet haben) wieder zurück bei einer privaten und nichtkommerziellen Umsetzung wäre. Allein hier gäbe es scheinbar die Möglichkeit, das Konzept auszuführen, ohne Substanz und Inhalt dem Kommerzdenken und auch den deutschen Vorstellungen von Animation als Kinderformat anpassen zu müssen. Wie könnten private Umsetzungen aussehen? Animation entsprechender Qualität dürfte hier wegfallen, da entsprechende Programme (noch) zu grob in einer Darstellung oder aber zu aufwändig in der Gestaltung für den Einzelnen sind. Ich ließe mich aber gerne überraschen.

Eine Umsetzung als privates Hörspiel und Publikation als MP3 im Web wäre denkbar. Ebenso eine Umsetzung als Comic oder Webcomic, vielleicht auch eine Kombination von Hörspiel, Comic, Flash-Animation und illustrierenden Bildern. Ideen und Folgen könnten von mir jederzeit beigesteuert werden, für die visuellen Aufgaben fehlt mir leider das Talent.

Wo sind all die talentierten Leute, die mein (immer noch ungebrochenes) Interesse an der Idee nachvollziehen können? Wo sind die Hobbyzeichner, die privaten Animations- und Grafik-Experten, die interessierten Hobbysprecher oder Schauspieler, die Leute, die Ideen zu Folgen und Zielen der Serie beisteuern könnten? Ich hatte diesen Aufruf auch im vorherigen Abschlußkommentar, leider mit nur auffallend wenig Erfolg. Daher erneut meine Bitte an alle Leser:

- wer sich aktiv beteiligen will, kann sich jederzeit an mich wenden. Alle Formen der Beteiligung sind willkommen.
- wer eine eigene Webseite hat und Gefallen an der Idee findet, kann gerne einen Link auf das Konzept einbauen.
- wer Kontakte zu Medienschaffenden, Sendern, Produktionsfirmen etc. hat, kann das Material gerne weitergeben.

Auf diese Weise könnte mein Entwurf trotz Ablehnung durch Sender und Firmen vielleicht doch noch zu einem kleinen kreativen Beitrag an die Gesellschaft werden. Ich bedanke mich bei allen Lesern :-).

Chris Pfeiler
chris@drts.org